Aus Sonjas Feder

Es war einmal alles etwas anders..

Heute posten wir den Auftakt einer Beitragsserie, in der jeweils eine der beiden Golden Orb Gründerinnen einen kleinen Einblick in ihre ganz persönlichen Sichtweisen und Gedanken geben wird.

Starten wir direkt mal mit einer etwas provokanten Frage:

Warum tun wir uns als Gesellschaft so schwer mit Männern in Kleidern?

Wenn ich einen Mann im Kleid sehe, denke ich: »Wie mutig«, und freue mich, dass jemand so sehr zu dem steht, was ihm gefällt, dass er sich über in der Öffentlichkeit verfestigte Rollenbilder bewusst hinwegsetzt. Allerdings zeigt diese vermeintlich sehr liberal anmutende Sicht, dass auch ich den Anblick »Mann im Kleid« noch nicht als normal wahrnehme. Und das hat mich nachdenklich gemacht. Bei Frauen, die mir begegnen, fällt mir weder das Tragen einer Hose noch das Tragen von Röcken oder Kleidern als besonders auf. Das dürfte vermutlich vielen von uns so gehen. Dass Frauen Kleider/Röcke oder Hosen tragen – je nach persönlichen Vorlieben – wird in unserer Gesellschaft mittlerweile als selbstverständlich betrachtet. Warum ist dies bei Männern anders?

Historisch betrachtet haben Männer in Röcken und kleidähnlichen Gewändern eine viel längere Geschichte als Frauen in Hosen. Schottische Krieger und römische Legionäre beispielsweise nehmen die meisten von uns in Abbildungen und historisch anmutenden Verfilmungen trotz Rock als ausgesprochen männlich wahr. Auch ohne militärischen Kontext gibt es Fälle, in denen eine kleidähnliche Gewandung für Männer als normal wahrgenommen wird, z.B. verschiedene Kaftanvarianten oder religiöse Gewänder. Dennoch hat sich diese Akzeptanz bislang nicht in die Alltags- und Festkleidung für Männer ausgeweitet.

Meine Vermutung ist, dass dies zum Großteil mit gesellschaftlicher Prägung zusammenhängt. Die genannten historischen und religiösen Beispiele begegnen uns von klein auf sowohl in Büchern als auch Verfilmungen und im Fall der religiösen Gewandung sogar im Alltag. Es wirkt auf uns normal, weil wir mit diesen Darstellungen aufwachsen. Im Bekanntenkreis habe ich es des Öfteren erlebt, dass Jungen im Kindergartenalter noch sehr ungezwungen experimentieren: Bunter Nagellack, Mamas Schmuckkästchen und die lustigen hochhackigen, viel zu großen Schuhe üben auf sie ebenso eine Faszination aus wie auf kleine Mädchen. Ab einem bestimmten Alter verschwindet diese Begeisterung urplötzlich und all diese Dinge werden fortan als »Mädchenkram« abgetan. Entspricht dies wirklich einer individuellen Einstellung oder liegt es daran, dass ihnen vom äußeren Umfeld vermittelt wird, diese Dinge seien einfach nichts für Jungs und für Männer schon gar nicht?

Um kommenden Generationen eine breitere Perspektive zu ermöglichen, ist es für uns als Entwickler selbstverständlich, dass die Spieler sämtliche Freiheiten bei der Wahl der Hochzeitsbekleidung von Aschenputtel und dem Prinzen haben. Jeder kann selbst entscheiden, ob ihm eine traditionelle Bekleidung am besten gefällt, ob beide in Hosen oder Kleid oder ob der eine im Kleid und die andere in Hosen zur Hochzeit erscheinen soll. Wäre es nicht schön, wenn Männer irgendwann mit derselben gesellschaftlichen Akzeptanz wie Frauen ihren Bekleidungsstil frei wählen könnten? Natürlich dürfen sich Männer weiterhin für Hosen und Anzüge entscheiden, ich fände es nur sehr schön, wenn es dann wirklich eine individuelle Entscheidung wäre und nicht die Erfüllung einer gesellschaftlich vorgegebenen Erwartungshaltung.

– Sonja

2018-07-19T21:07:03+00:00